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»ausdruck der tiefen liebe eines jungen menschen zur musik und zur oper«

Die Komponistin Alma Deutscher war 11 Jahre alt, als ihre erste abendfüllende Oper cinderella in Wien aufgeführt wurde und für Aufsehen sorgte. Im Dezember kommt das Werk am tfn zur deutschen Erstaufführung. Dramaturgin Fuka Arai sprach mit Regisseurin Beatrice Müller über das Stück und die Inszenierung.

↗ Jede_r kennt das Märchen von Cinderella. Unterscheidet sich diese Oper von der bekannten Geschichte und wenn ja, worin bestehen die Unterschiede?

Der größte Unterschied ist wohl, dass Cinderellas verstorbener Vater der Familie nicht Haus und Hof, sondern ein Opernhaus hinterlassen hat. Dort muss Cinderella täglich schuften und nicht nur alle Arbeiten erledigen, die in einem Haushalt anfallen, sondern auch die, die hinter den Kulissen eines Theaters zu bewerkstelligen sind. Dabei ist ihre große Leidenschaft, Musik zu komponieren.

Ebenso bekommen wir einen intensiveren Einblick in die Welt des Prinzen. Er ist an Poesie viel mehr interessiert als an seiner Zukunft als König. Ihre gemeinsame Liebe zur Kunst stärkt die Verbindung zwischen Cinderella und dem Prinzen über eine Zufallsbegegnung und Erlösungsfantasie hinaus.

↗ Alma Deutscher hat die Oper im Alter von zehn Jahren komponiert und wenige Jahre später orchestriert. Wie würdest du die Musik beschreiben?

Es ist wirklich ganz unglaublich, dass sie dieses Werk in so jungen Jahren geschaffen hat! Nicht selten fällt die Bezeichnung »Wunderkind« und nicht ganz zu Unrecht. Das Stück als Ganzes und besonders die Komposition sind Ausdruck der tiefen Liebe eines jungen Menschen zur Musik und zur Oper. Nicht umsonst ist auch die Protagonistin eine junge Komponistin ... 
Gleichzeitig steht sie in der Tradition klassischer Kompositionen vor allem des 19. Jahrhunderts: Alma Deutschers Musik ist reich orchestriert, sehr harmonisch und melodisch, wodurch sich cinderella auch als erstklassiges Stück für ein junges Publikum erweist.

↗ Wir befinden uns in einer Märchenwelt – was sind aus visueller Sicht die Highlights bei Bühnenbild, Kostümen und Inszenierung?

Am Anfang des Prozesses stand für Beata Kornatowska (Bühne und Kostüme) und mich natürlich die Frage, in was für einer Welt wir uns befinden und wie sehr diese von unserer Realität beeinflusst ist, vor allem visuell. Sehr bald haben wir uns aber darauf konzentriert, eine Fantasiewelt zu erschaffen, die aus verschiedenen Versatzstücken und historischen Stilen unserer Welt besteht, diese aber so zusammengesetzt sind, dass sich eine bunte Mischung ergibt, besonders auch um verschiedene Figuren und Orte zu charakterisieren. 

↗ Gerade weil jede_r cinderella kennt, bringt das Publikum bestimmte Erwartungen mit. Worauf legst du bei deiner Regie besonderen Wert?

Ich finde es wichtig, eine gute Verbindung zu finden zwischen dem Stück, seinen Besonderheiten, der Erwartung des Publikums und dem, was mich persönlich daran interessiert. Jede_r ist auf irgendeine Art mit dem Aschenputtel-Stoff vertraut. Und auch wir als Team sind nicht frei davon. Die Frage ist, was wollen wir davon bedienen. Alma Deutschers Stück beinhaltet im Kern den klassischen Cinderella-Mythos, setzt diesen jedoch viel komplexer um, als man das vielleicht gewohnt ist. Aber sich darauf einzulassen, ist ein großer Gewinn. Außerdem freue ich mich sehr auf die Arbeit mit dem Ensemble des tfn und darauf, mit den Darsteller_innen die Figuren zu finden.

↗ Die Produktion ist als Familienoper angelegt. Können auch Menschen ohne Opernerfahrung das Stück genießen, und was macht es für alle besonders zugänglich?

Auf jeden Fall! Das Stück verbindet ein bekanntes Märchen mit zauberhafter Musik und dem Besten, was das Musiktheater zu bieten hat. Es hat im Repertoire (noch) nicht den Stellenwert der zauberflöte oder hänsel und gretel, aber ich empfinde es als idealen Einstieg, egal für welches Alter. [Außerdem wird es eine kürzere Fassung für ein junges Publikum, sowie relaxed performances geben, die die Hürden eines konventionellen Theaterbesuchs weiter abbauen sollen.]

↗ Hast du eine persönliche Lieblingsszene im Stück?

Ich freue mich immer sehr auf die Ball-Szene. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des Stücks. Dort kommt alles zusammen: Wir sehen endlich den Chor als Ballgesellschaft, gleichzeitig kreuzen sich die Wege von Cinderella und dem Prinzen und sie haben eine sehr intime Szene, die natürlich sehr dramatisch darin kulminiert, dass sie fliehen muss, und wir bangen, ob die Liebenden sich wiederfinden und alles gut wird.

 

Foto Beatrice Müller: Volker Conradus