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»wir müssen eine choreografie entwickeln, und zwar mit menschen und möbeln.«

Der Brite Peter Shaffer erlangte 1965 mit seiner komödie im dunkeln den internationalen Durchbruch als Dramatiker, indem er die Sehgewohnheiten in seiner Komödie einfach auf den Kopf stellte und Theatergeschichte schrieb. Seine Idee: Nach einem inszenierten Kurzschluss verkehren sich die Lichtverhältnisse. Die Zuschauer_innen sehen alle Ereignisse auf der Bühne im hellen Scheinwerferlicht, während die Schauspieler_innen so spielen müssen, als ob sie im Dunkeln tappen würden. Diese, der Pekingoper entnommenen Lichtsituationen haben großartige Momente der Situationskomik und erhellender Missverständnisse zur Folge, da die Figuren Dinge tun, die sie bei Licht niemals tun würden. Für Regie, Bühne und Schauspieler_innen stellt das eine ganz andere Herausforderung an die Proben.

↗ Wie bereitet man sich als Regisseur vor auf ein Stück mit dieser Ausgangssituation und was heißt das für die Proben?

Im Vorfeld müssen sehr viele Entscheidungen getroffen und daher genau bedacht werden: Worauf ist bei den Requisiten, beim Bühnenbild und den Kostümen zu achten, damit die vom Autor geschriebenen Szenen möglich sind. Und wenn die Proben beginnen: Wir, also die Spielenden und ich als Regisseur, müssen zusammen innerhalb einer sehr körperlichen Spielweise die Aufgaben, die uns der Autor stellt, so lösen, dass es fürs Publikum erstens alles Sinn ergibt und zweitens unbedingt lustig ist. Es ist wie beim Tanz: Wir müssen eine Choreografie entwickeln, und zwar mit Menschen und Möbeln.

↗ Das Stück spielt in London, was erwartet uns bei der Ausstattung von Annette Mahlendorf? Großbritannien 2026?

Nein, das Stück spielt bei uns in seiner Entstehungszeit, also 1965. Heute, z. B. mit Handys, wäre das Stück nach fünf Minuten vorbei. Und ein schöner Nebeneffekt ist, dem Publikum wunderbare Kostüme zwischen »very british« und buntem Hippie-Style der sechziger Jahre anbieten zu können. Im Bühnenbild, das vom Autor architektonisch klar vorgegeben ist, halten wir uns in den Farben an den Union Jack, also die Nationalflagge Englands. Es gibt also viel zu schauen und wir haben Spaß an Farben.

↗ Wenn das Stück in einer Lichtstimmung »Hell« spielt, bewegen sich die Darsteller_innen in absoluter Dunkelheit. Braucht es die Kolleg_innen aus der Beleuchtung für diese Inszenierung?

Unbedingt, denn auch eine scheinbar einfache Beleuchtung wie »Hell« muss von den Profis der Beleuchtungsabteilung ja atmosphärisch gelöst werden: Es soll ja schließlich schön aussehen.

↗ Warum sollte man die komödie im dunkeln nicht verpassen?

Peter Shaffer hat ein Stück geschrieben, das einerseits sehr lustig ist, andererseits aber auch nicht platt oder dumm ist. Wir wollen dem Publikum eine Freude machen und dafür sorgen, dass es einen wunderbaren, unbeschwerten Theaterabend verbringen kann und sich an dem fantastischen Ensemble seines Theaters erfreut!

 

Foto Reinhardt Friese: privat